baerentatze

Sprachspuren in Marketing, Kultur, Ethik
Die Telefonspinne

Donnerstag 23 November 2006

Für Call Center sucht die Aktion Lebendiges Deutsch eine “treffende deutsche Entsprechung”. Soll man ein call center anrufen oder kÃ¥llt man es (an)? Wird man angerufen beziehungsweise angecallt oder wie, oder was?

Wie macht man so ein welsches Wort gefügig für den Alltagsgebrauch? Die Mehrzahl von call center (oder heißt es Callcenter?) lautet die Call Center. Oder in korrektem Englisch die Call Centers, dann aber kleingeschrieben als call centers? Im Genitiv käme dann der stinkgefährliche Apostroph hinzu: Ich habe die Leiterin des call center’s angerufen (will sagen: gekÃ¥llt)? Falls wir korrektes Englisch lernen wollten. Spätestens bei der Apostroph-Geschichte stellt sich aber heraus, dass wir so nicht weiter kommen. Dazu müsste man Englisch bereits beherrschen.

Also lassen wir die Finger davon, der Volksmund tut eh, was er will? Befriedigen kann auch das nicht. Neuprägen wäre die Alternative, statt call center ein neues Wort einführen, wo jeder vielleicht nicht versteht, aber begreift, was es bedeutet, auch wenn er kein Englisch drauf hat. Neuprägung ist auch nicht einfach, aber man muss sich die Sache nicht unnötig schwer machen. Rufzentrale wäre die direkte und langweilige Übersetzung (Anrufzentrale ginge auch), also auch nichts Genaues – wie im englischen Original.

Muss das neue Wort genau beschreiben, worum es geht? Warum eigentlich? Was eine Grüne Minna oder was ein Geisterfahrer ist, sprach sich schnell herum. Dass man mit einem Engländer schwierige Verschlüsse öffnet, weiß der Heimwerker. Wörtern wie Rufzentrale fehlt eben das Schmunzeln um die Lippen des Volksmundes. Deshalb plädiere ich für die Telefonspinne. Oder ähnliche Neuerfindungen, Neuprägungen mit Pfiff.


2 Kommentare für ' Die Telefonspinne '

  1.  
    Paulousek
    7. Dezember 2006 | 02:44
     

    Is doch einfach: Telefon-Zentrale.

  2.  
    10. Dezember 2006 | 17:54
     

    Die Aktion Lebendiges Deutsch berichtet hierzu:

    “Rufdienst” statt Call Center – da erweist sich mal wieder die oft überlegene Kürze der deutschen Sprache: zwei Silben statt drei! Der häufigste der 1721 Vorschläge, “Telefonzentrale”, hat uns eben deshalb nicht so sehr gefallen: sechs Silben. Ein Einsender brachte es auf 13 Silben mit 39 Buchstaben: Telekommunikationsdienstleistungsagentur – wahrscheinlich so wenig ernst gemeint wie die schönen Vorschläge Bimmelbüro, Babbelstub’, Quatschclub und Laberbude (zu schweigen vom Tele-Puff und der Callgirlbeschäftigungsanstalt). Dank an alle!

    Quelle: Hintergrundbericht für Dezember 2006 der Aktion Lebendiges Deutsch.

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