baerentatze

Sprachspuren in Marketing, Kultur, Ethik
Frieden mit der Reform der rechten Schreibung

Montag 31 Juli 2006

Jeder mag sie handhaben, wie er möchte – die baerentatze wird sich auf die neue, reformierte Rechtschreibreform einpendeln. Nicht etwa, weil sie mir besser passte, sondern weil mich kümmert, was die Leute sagen und wie sie es tun. Dass die “Reform” einiges zerstört hat, wäre den Streit nur noch wert, wenn die vereinten Kräfte genügten, die gesamte Reform zu kippen. Das ist so wahrscheinlich wie Frieden im Nahen Osten.

Schauen Sie mal im neuen Duden nach. Wo beide erlaubt sind, nennt der Duden die reformierte Schreibung neben der alten, wieder zugelassenen und empfiehlt die Wahl der Redaktion. Pedantisch wird die baerentatze nicht per Duden korrigiert, aber man gewöhnt sich ja an allem, selbst am Dativ.

Nachtrag: Berufen Sie sich nicht auf den Duden, bevor sie nachgeschlagen haben. Noch besser: Besorgen Sie sich den Wahrig, seine Redaktion hat besser aufgepasst.


6 Kommentare für ' Frieden mit der Reform der rechten Schreibung '

  1.  
    4. August 2006 | 17:29
     

    Sie begründen Ihre Anpassung an die Rechtschreibreform mit diesen Worten:

    “Nicht etwa, weil sie mir besser passte, sondern weil mich kümmert, was die Leute sagen und wie sie es tun.”

    Könnten Sie das bitte näher erläutern? Die meisten “Leute” lehnen doch das Chaos ab, das die Rechtschreibreform angerichtet hat, und schreiben nach Möglichkeit wie zuvor. Oder wen meinen Sie mit “die Leute”? Die Kultusministerkonferenz?

  2.  
    6. August 2006 | 12:43
     

    Herr Paulwitz,

    Über die RSR brauchen wir nicht zu streiten, ich betrachte mich als Verlierer in einer missratenen und weitgehend überflüssigen Rechtschreibreform. Aber der gröbste Unfug wurde rückgängig gemacht, ich habe das Kriegsbeil vergraben. Fertig.

    Sollte die FAZ über den 1. Januar hinaus stur bleiben, werde ich erwägen (!), diesen Zug wieder zu besteigen. Bis dahin konzentriere ich mich auf das wesentliche.

    Ihre Begründung (“Die meisten Leute…”) sagt mir nichts. Die meisten Leute kamen auch mit der alten Rechtschreibung nicht zurecht. Die meisten Leute lehnen auch das Zahlen von Steuern ab.

    Und wenn ab morgen “die meisten Leute” nur noch verstümmeltes SMS-Deutsch pflegten, würde ich trotzdem auf der Suche nach einem gepflegten Deutsch fortfahren. Sie auch, wie ich Sie einschätze.

  3.  
    7. August 2006 | 20:31
     

    Sehr geehrter Herr Baer,

    schön, daß wir uns einig sind, daß die Rechtschreibreform ein Schuß in den Ofen war. Ich fühle mich nicht als Verlierer, weil ich mir von niemandem vorschreiben lasse, wie ich zu schreiben habe. Ein längeres Interview, das ich vor kurzem gegeben habe, wurde von der Zeitung auf meinen Wunsch in der bewährten Rechtschreibung gedruckt. Es ist also möglich, Zeichen zu setzen. Dieser Möglichkeit will ich mich nicht berauben, erst recht nicht bei meinen eigenen Veröffentlichungen. Die Verlierer sind die Kinder, die in der Schule diesen Blödsinn lernen müssen.

    Es ist ja leider nicht der gröbste Unfug rückgängig gemacht worden, wie jetzt auch einer größeren Öffentlichkeit immer deutlicher wird. Der Rechtschreibrat hat lediglich ein paar kosmetische Änderungen durchgeführt, und selbst die werden vom Duden nun unterlaufen, wie der Vorsitzende des Rechtschreibrats, Hans Zehetmair, beklagt. Außerdem haben wir jetzt zwei sich widersprechende Wörterbücher: Duden und Wahrig. Einen Rechtschreibfrieden kann ich wahrlich nicht erkennen.

    Ihren Satz “Nicht etwa, weil sie mir besser passte, sondern weil mich kümmert, was die Leute sagen und wie sie es tun.” habe ich jetzt etwas besser verstanden: Die Betonung sollte wohl nicht auf “die Leute”, sondern auf “was” liegen.

    Auf Ihren Satz “Die meisten Leute kamen auch mit der alten Rechtschreibung nicht zurecht.” möchte ich antworten: Die meisten Leute kamen mit der klassischen Rechtschreibung besser zurecht als mit der angeblich reformierten.

    Ich hoffe, ich kann Sie spätestens am 1. Januar 2007 wieder als einen Schreiber der bewährten Rechtschreibung begrüßen.

  4.  
    8. August 2006 | 08:38
     

    Lieber Herr Paulwitz,

    wer für seine Kunden Texte schreibt, die dann im Netz stehen oder gedruckt werden, muss sich entscheiden, ob er die Mitarbeiter bekehren oder einen Nutzen stiften wird. Beides zusammen passt selten unter einen Hut. Für Schlachten um die rechte Schreibung fehlt im Unternehmensalltag die Zeit. Und die Muße, füge ich hinzu. Und die Toleranz für den Puristen, und wenn er noch so recht hätte.

    Nach dem Chaos der vergangenen Jahre sind es die Bürger leid, so oder so. Der Schaden an der Sprache ist bereits angerichtet, der Daumen amputiert. Kein Klagen bringt ihn zurück.

  5.  
    11. August 2006 | 16:06
     

    Was zu dem Thema zu sagen bleibt, schreibt Bastian Sick im Zwiebelfisch. Allerdings ist ihm die baerentatze im Jahr 2004 zuvorgekommen. Wir schrieben:

    ZITAT

    Amerika schreibt recht deutsch

    Was hierzulande aus der Rechtschreibung wird, bestimmen die folgenden nicht: Kulturminister, Experten, Duden, Medien, Schulen, Autoren. Richtig ist vielmehr, was im Spellchecker von Word® als richtig durchgeht. Peinlich: Software-Produkte aus Redmond sind selbst fehlerhaft, und als Sprachschöpfer im Deutschen bisher nur dumm aufgefallen.

    Bildschirmanzeige während der Installation von Defender

    Nachdem die Rechtschreibreform die Torpfosten mal hier, mal dorthin verschoben hat, sorgt Software für Klarheit im Regelwerk. Damit siegt zwar nicht der Geist, nicht einmal die Intelligenz, es setzt sich die Macht des täglichen Gebrauchs durch.

    Um die deutsche Sprache kümmert sich mit gewohnter Hingabe ein Unternehmen, dem schon seine inländischen, amerikanischen Kunden schnuppe sind, sonst würde sich Microsoft nicht jedesmal bitten lassen, die Sicherheitslücken seiner Software gegen Schädlingsbefall zu schließen. Wir sind nur froh, dass mit unserer Gesundheitsreform nichts derartiges passieren kann …

    ZITAT von 2004 – ENDE

  6.  
    16. August 2006 | 18:56
     

    Is’ schon seltsam … sobald jemand behauptet, daß das letzte Wort gesprochen sei, verspüre ich das unbändige Drängen, ein Wort draufzusetzten. Oder zwei. Und sei es nur, um zu beweisen, daß man,
    wenn man nur will, noch mehr sagen kann. :-D

    Zum Thema, also zur Reform: Sie war, ist und bleibt ein Witz. Sie reiht
    sich natlos ein in eine lange Liste unverständlichem Zeugs, über das
    man nur lachen kann. Über das man lachen MUß, will man nicht ver-
    zweifeln.

    Daß die “alte” Rechtschreibung optimal gewesen wäre, werde ich ganz
    sicher nicht behaupten. Da gab es eine MENGE, was man hätte aus-
    kehren können. Es gab eine Menge, was hätte “vereinheitlicht”, also
    vereinfacht werden können. Einiges ‘Unlogische’. Stolpersteine, die
    nicht hätten sein müssen.

    Die Reform aber ist, wie gesagt, ein Witz. Und die Reform der Reform
    ebenso.

    Was mich wirklich ÄRGERT ist, daß wieder einmal Leute Geld dafür
    erhalten haben, Unsinn zu verzapfen. Leute, die sich als ‘Experten’
    ausgaben. Oder waren es am Ende gar keine Experten, die die Reform
    ausgearbeitet haben?

    Naja, ich war nicht dabei, und ich kenne die Umstände nicht, die sog.
    ‘Sachzwänge’ usw. … aber wieder einmal drängt sich doch der Gedanke
    auf, daß da geistige Schwachmaten am Werk waren. Bestenfalls Leute,
    die nichts von dem zu verstehen scheinen, was sie tun/taten.

    Wenn sie das was sie tun im stillen Kämmerlein täten, für sich allein,
    wär’s ja ihr Ding. Von mir aus. Nur, daß sie es eben NICHT nur für
    sich tun, sondern mit Wirkung für uns alle …

    Eigentlich kann man angesichts solchen Unsinns nur mit offenem Mund
    dahstehen … kopfschüttelnd … sprachlos ob solchen Wahnsinns.

    Und man muß versuchen, das Beste daraus zu machen, bzw. zu retten,
    was zu retten ist. Jeder für sich – und alle gemeinsam. Jeder, wie er es
    für richtig hält. ;-)

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